„Dich schickt der Himmel!“- Existenzielle Kommunikation in Betreuung, Pflege und Therapie

Impulstag zur Förderung von Mitarbeitern caritativer Einrichtungen

Die Vallendarer WeG-Initiative bot erstmals einen eigens für Mitarbeiter*innen kirchlicher Einrichtungen konzipierten Tag an. „Dich schickt der Himmel“, lautete das Motto.

„Wie gut, dass du da bist! Du bist ein Geschenk!“ So oder so ähnlich lässt sich dieser Veranstaltungstitel übersetzen. Für Menschen mit existenziellen Fragen sind mitfühlende Nähe und wertschätzende Kommunikation die entscheidende Unterstützung, um Orientierung und Halt zu finden. Doch was geht in den sie Begleitenden vor? Die Konfrontation mit der existenziellen Not anderer löst auch in ihnen Prozesse aus. Dem nachzuspüren und darüber ins Gespräch zu kommen, war das Ziel des Tages.

Lauter „Geschenke des Himmels“ waren der Einladung ins Forum Vinzenz Pallotti gefolgt. P. Lenz und ein Team der WeG-Initiative begrüßten eine multiprofessionell zusammengesetzte Gruppe aus Menschen in helfenden Berufen, die in diakonischen Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft tätig sind. Bereits in der Vorstellrunde wurde die große Bandbreite an Erfahrungen sichtbar, die die Teilnehmer aus unterschiedlichen beruflichen Feldern (Beratung, Personalentwicklung, Betreuung, Pflege und Therapie) mitbrachten. Das versprach ein spannender Tag zu werden!

Eisberg trifft Eisberg

Der erste inhaltliche Impuls arbeitete mit dem bekannten Bild des Eisbergs. Dieser wurde zum Symbol dafür, dass unsere Reaktionen auf die Nöte von Anvertrauten immer auch von den existenziellen Fragen und Herausforderungen im eigenen Leben geprägt sind. Diese grundlegende Erfahrung konnten die Teilnehmer anschließend gut mit Beispielen aus ihren jeweiligen beruflichen Kontexten unterlegen und konkretisieren.

Bibel existenziell für heute

Dann wurde es praktisch. Die biblische Geschichte der Emmausjünger wurde auf dem Boden ausgelegt und vor dem Hintergrund der Erfahrungen in helfenden Berufen betrachtet. Eine vielleicht ungewohnte, aber offenbar sehr inspirierende Perspektive: Mit großer Lebendigkeit und Offenheit nutzten die Teilnehmer diesen „begehbaren Erzählraum“, um miteinander über ihre Situation ins Gespräch zu kommen. „Wer selbst gehalten ist, kann sich auf Nähe und Beziehung einlassen und andere halten!“ war eine zentrale Erkenntnis und Erfahrung des miteinander gegangenen Weges.

Die Teilnehmer zeigten sich positiv überrascht, wie gut die Verknüpfung von biblischer Erzählung und beruflicher Erfahrung als Begleiter bzw. eigener Lebensgeschichte gelungen war und wie die „Methode Emmausweg“ in kürzester Zeit einen intensiven und sehr persönlichen Austausch möglich machte. „Das hat persönlich angesprochen und berührt!“ so der Tenor der anschließenden Reflexion.

DA – DU – JA als Halt und Haltung

Nach der verdienten Mittagspause ging es persönlich weiter. Die Frage stand im Raum, was Menschen – die Begleiter ebenso wie die Begleiteten – angesichts des unausweichlichen Leids und der Grenzen im Leben an Unterstützung und Resonanz benötigen.

In verschiedenen Impulsen, einer Zeit der Stille und Besinnung sowie im Austausch untereinander wurde entdeckt und bedacht, dass die Erfahrung von Halt gebender Beziehung und die Achtung von Identität und Würde die Bewältigung existenzieller Herausforderungen wesentlich unterstützen.

In den Worten DA, DU und JA wurde dafür eine einprägsame Kurzformel gefunden, die auch als Beschreibung des innersten Kerns der christlichen Botschaft gelten kann. Dieses DA-DU-JA als Halt im eigenen Leben zu erfahren und dann als Haltung gegenüber den anvertrauten Menschen leben zu können, war ein Wunsch, den man den Äußerungen vieler Teilnehmer entnehmen konnte.

Der geistliche Abschluss lud dann auch dazu ein, sich immer wieder auf die Frage nach dem (existenziellen) Halt im eigenen Leben einzulassen, um fähig zu werden, selbst andere zu halten.

Nach dem Ende des eigentlichen Impulstages waren die Teilnehmer gebeten, ein Feedback zu geben. Die Resonanz war durchweg positiv. Besonders hervorgehoben wurden der sinnvolle Methodenwechsel und die vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre. Auch die inhaltlichen Impulse (Eisberg der Kommunikation, Emmausprozess, DA-DU-JA) wurden als hilfreich für das eigene Arbeitsfeld empfunden. Viele der Teilnehmer nahmen sich vor, mit Kollegen über ihre Erfahrungen an diesem Tag zu sprechen und die Veranstaltung weiterzuempfehlen.

Inzwischen stehen Termine für zwei Wiederholungsveranstaltungen in Vallendar fest und zwar am 16. und 31. März 2020. Für einen weiteren Impulstag im Raum Trier steht der Termin noch nicht fest.

Wie schon bei der ersten Veranstaltung sind die Teilnehmer auch an diesen Tagen unsere Gäste.


Vera Kessler, 
WeG-Initiative Vallendar
Fotos: Privat